Der Stonehenge-Bluestone
Wenn Steine eine Reise antreten

Im kalten Morgenlicht der Salisbury Plain werfen alte Steine lange Schatten.
Manche von ihnen kamen von weit her – aus den Preseli Hills in Wales, über mehr als zweihundert Kilometer hinweg.

 

Steinkreis mit Monolithen unter dem Mond – Symbolbild zu den Preseli Bluestones von Stonehenge

Ursprung und Entstehung

Die sogenannten Bluestones von Stonehenge bestehen überwiegend aus einem Gestein, das Dolerit heißt – ein dunkelgraues bis bläuliches, feinkörniges, magmatisches Gestein.
Es wird geschätzt, dass es sich vor mehr als 450 Millionen Jahren tief in der Erdkruste bildete, als Magma langsam abkühlte und zu festem Gestein erstarrte.
Diese Felsen stammen aus den Preseli Hills im Westen von Wales – einer Landschaft aus Hügeln, Quellen und uraltem Grundgestein, das sich seit Jahrmillionen kaum verändert hat.
 

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Der Weg nach Stonehenge

Etwa um 3000 v. Chr. begannen Menschen – so wird vermutet –, diese schweren Steine aus den Preseli Hills zu lösen.
Neuere Ausgrabungen deuten darauf hin, dass dort tatsächlich uralte Steinbrüche existierten, in denen Spuren von Werkzeugen und Bearbeitung gefunden wurden; Hinweise auf Rampen werden von Forschern diskutiert.
Wie genau der Transport verlief, ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Wahrscheinlich wurden die tonnenschweren Blöcke auf Holzschlitten gezogen, über Flüsse und Ebenen bewegt oder teilweise sogar mit Booten über Wasser transportiert.
Die Entfernung – rund 225 Kilometer, je nach Route – gilt bis heute als eine der erstaunlichsten Leistungen der Frühgeschichte.
 

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Bau und Anordnung

In Stonehenge bilden die Bluestones den inneren Bereich der monumentalen Anlage.
Sie wurden dort in mehreren Bauphasen neu angeordnet und umgestellt – ein Hinweis darauf, dass sie eine besondere symbolische Bedeutung gehabt haben könnten.
Ein wesentlicher Teil der Anlage zeigt eine Ausrichtung auf die Sonnenwenden:
Zur Sommersonnenwende fällt das Licht der aufgehenden Sonne durch die Hauptachse des Steinkreises,
zur Wintersonnenwende dagegen von der gegenüberliegenden Seite.
Ob dies bewusst geplant war oder sich erst später ergab, bleibt eines der großen Rätsel der Archäologie.
 

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Gestein und Besonderheiten

Der Preseli-Dolerit, aus dem die Bluestones bestehen, ist dicht, fein- bis mittelkörnig und auffallend widerstandsfähig.
In geschliffenem Zustand zeigt er bläulich-grüne und graue Farbtöne,
manchmal mit kleinen weißen Feldspat-Einschlüssen, die wie helle Punkte im Gestein schimmern.
Jedes Stück besitzt eine leicht unterschiedliche Struktur – Ausdruck seiner Herkunft aus der Landschaft der walisischen Hügel.
 

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Funde und Forschung

Schon 1923 vermutete der Geologe Herbert Henry Thomas, dass die Bluestones aus den Preseli Hills stammen.
Diese Theorie wurde später durch geochemische Analysen untermauert.
In jüngeren Grabungen fand man zudem Hinweise auf alte Steinsetzungen in Wales – Orte, an denen Blöcke offenbar einst aufgestellt und später wieder entfernt wurden.
Nach heutiger Forschung könnte Stonehenge also nicht der erste Steinkreis gewesen sein,
sondern das Ergebnis einer Wanderung von Steinen und Ritualen quer durch das Land.
 

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Geschichte und Vermutungen

Stonehenge wurde über viele Jahrhunderte hinweg genutzt und verändert.
Für die Menschen, die diese Steine aufstellten, muss der Ort eine besondere Bedeutung gehabt haben –
vielleicht als Versammlungsplatz, Grabstätte oder Ort ritueller Sonnenbeobachtung.
Sicher ist: Der Bluestone verbindet zwei Landschaften – die Berge von Wales und die Ebenen Englands – und steht damit sinnbildlich für den Austausch von Menschen, Wegen und Wissen.
 

Polierter Bluestone-Trommelstein mit blaugrauer Oberfläche – Symbolbild im Edelstein-Lexikon zur Stonehenge-Seite

Heute

Heute findet man den Bluestone nicht nur als Teil des Steinkreises,
sondern auch in kleiner Form als Trommelstein oder poliertes Stück – ein handliches Fragment einer langen Geschichte.
Wer ihn in der Hand hält, spürt das glatte, kühle Gestein und kann sich kaum vorstellen, welchen Weg es einst genommen hat.
 

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Wissensgrundlage:
UCL Institute of Archaeology; British Academy; HeritageDaily; Smithsonian Magazine; Cambridge Core „Antiquity“ Journal; The Bradshaw Foundation.

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